„Und plötzlich sehen wir Zeitgeschichte nicht mehr in Akten und Zahlen, sondern in Gesichtern, Gefühlen und Alltagsmomenten lebendig werden.“ (Britta Panzer, Stadtarchivarin in Singen)
Die Handlung entfaltet sich als buntes Zeit- und Gesellschaftspanorama: Wirtschaftliche Not aufgrund von Missernten zwingt die Kinder einer bäuerlichen Großfamilie aus Unterschwandorf bei Messkirch, gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihren Lebensunterhalt in Singen, Radolfzell, im schweizerischen Eschenz und im Saarland zu suchen. So werden die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, von Krankheit und Hungersnot, ein Auswandererschicksal in den USA, die gesellschaftlichen Verwerfungen zur Zeit der Weimarer Republik sowie das Aufkommen völkischen und nationalsozialistischen Denkens in der Region aus der anrührenden Alltagsperspektive „einfacher Leute“ geschildert. Glaubhafte Charaktere und Schicksale, überzeugende Dialoge und vor allem das Auftauchen von lokalen Örtlichkeiten und historischen Persönlichkeiten mit Wiederkennungseffekt lassen die Lektüre zu einer Reise in die Vergangenheit auch der eigenen Familiengeschichte werden.
Petra Palumbo, geboren 1973 in Singen/Htwl., verfasste ihren Roman „Flüsterzeit. Zwischen Herkunft und Sehnsucht“ als Hommage an ihre Heimat mit engen Bezügen zu ihrer eigenen Familiengeschichte. Einschließlich umfangreicher Recherchen in Archiven der Region und direkter Befragung von Ortsansässigen und Familienmitgliedern hat sie mehr als sieben Jahre daran gearbeitet. Nach vielen Jahren in München lebt sie heute mit ihrer Familie in Radolfzell am Bodensee.
Moderation Inga Pohlmann
Radolfzell, Villa Bosch